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Im Juli 2004, nur einen Monat nach den ersten HighSpeed-Gehversuchen, machten wir uns an unseren ersten Alternativaufbau: Den Vorschlaghammer. Die Idee war, einen 5 kg schweren Vorschlaghammer so aufzuhängen, daß damit wirkungsvoll und reproduzierbar Gegenstände zertrümmert werden können. Die "Speed" ist nicht ganz so "High" wie bei einer Luftgewehrkugel. Da der Vorgang aber ebenfalls zu kurz für eine direkte Beobachtung durch das menschliche Auge ist, ordnen wir dieses Experiment natürlich auch unter echter Hochgeschwindigkeits-Photographie ein.
Auf dem linken Bild sind sowohl die Ausrüstung als auch das Endziel (Atari SM124 Monitor) zu sehen. Der Hammerstiel wurde durchbohrt und in einer Gabelhalterung freischwingend an einem Dachbalken aufgehängt. Das rechte Bild zeigt ein späteres Stadium mit "Schockabsorber". Das Auslösekabel ist ebenfalls gut zu sehen. Dieses Kabel ist - analog zum durchschossenen Draht - der Sensor für den Mikrocontroller. Es läuft auf der einen Seite den Hammerstiel entlang über den Dachbalken zur Elektronik. Auf der anderen Seite ist es frei und wird in eine Krokodilklemme gesteckt, die oben am Dachbalken befestigt ist und ebenfalls zum Controller führt. Hängt der Hammerkopf in Ruhe nach unten, ist das Kabel gerade gespannt. Bewegt sich der Hammerkopf nun ein Stück weiter, zieht er das Kabelende aus der Klemme und der Mikrocontroller zündet den Blitz. Einer von uns muß also für jedes Bild den Hammer hochziehen und möglichst hoch unter den Dachbalken halten. Wird der Hammer losgelassen, trifft er mit der gesammelten Energie des 120°-Kreisbogens auf das Objekt. Der Dachbalken bekam schließlich einen alten Teppich als "Schockabsorber" spendiert, da die Energie auf Dauer Spuren hinterließ... Wenn man zusätzlich zum Blitz eine Lichtquelle während der gesamten Aufnahmedauer auf die Bahn des Hammerkopfes richtet, kann man den Schwung darstellen. Zertrümmerte Objekte bekommen dabei allerdings (meist) unschöne Geisterbilder, das sie ja ebenfalls die ganze Zeit belichtet werden. Auch stellte sich heraus, daß der Effekt auf einige Objekte ganz anders war als gedacht. Leichte Gläser müssen gefüllt werden, sonst werden sie umgeworfen oder geköpft. Die Füllung erhöht die Sauerei leider erheblich. Computermäuse sind - genau wie ihre lebenden Vorbilder - sehr zäh und daher ziemlich langweilig. Auch Tastaturen sehen nach einem Einschlag fast noch so aus wie vorher: sie sind als Ganzes zu elastisch. Die größte Enttäuschung waren allerdings die Monitore. Was hört man nicht alles für Schauergeschichten von implodierenden Bildröhren und ihrer Gefährlichkeit! Im Web findet man haufenweise mit Halbwissen angereicherte Spekulationen über Vakuum-Katastrophen, von platzenden Scheiben bis zu Lungenrissen und meterweit fliegenden Glassplittern. Technisch gesehen streben natürlich der (auf der Erdoberfläche) widernatürliche Zustand des Hochvakuums und der allgegenwärtige Luftdruck um Ausgleich. Diesem Ausgleich steht nur die Stabilität des Glaskörpers entgegen, der durch seine Formgebung empfindlichere und unempfindlichere Bereiche hat. Deswegen sind moderne Bildröhren mit Schutzmaßnahmen gegen Implosion ausgerüstet. Und wenn man ein gewisses technisches Verständnis hat und sich nicht wie ein Idiot aufführt, kann man auch gefahrlos mit ihnen umgehen. Die sichere Variante des Druckausgleichs ist das Abschlagen des Entlüftungszapfens am Röhrenende, der nach dem Evakuieren der Röhre zugeschmolzen wird. Wir wollten es aber von der anderen Seite probieren und trafen für den Fall der Fälle üppige Schutzmaßnahmen. Der Photograph schützte sich und die Kameras mit Glasscheiben, Styroporverkleidungen und einer Decke. Der "Hammerwerfer" machte mit dem Loslassen des Hammers einen Schritt zur Seite und verschwand hinter einer aufgestellten 2,2 x 1 m großen Blechplatte (ausgebaute Seitentür eines Serverschranks). Das wurde einige Male ohne Monitor geübt, um das Timing beurteilen zu können. Schließlich dann der Ernstfall, und das Ergebnis: nichts! Nun gut, es knallt etwas, wenn der Hammer in die Röhre dringt. Ein Luftballon knallt aber lauter. Splitter gab es auch keine, nur etwas Glasmehl. Die Reste des sauber herausgestanzten rechteckigen Lochs befanden sich in der Röhre. Der zweite Versuch mit einem alten Terminal-Monitor von digital (DEC) war noch enttäuschender. Die drei Bilder der oberen Reihe zeigen die drei Hammerschläge, die wir hintereinander durchführten. Das Ding war einfach nicht kaputtzukriegen! Die Röhre war zwar schon nach dem ersten Schlag belüftet, aber das Glas ließ sich nicht durchdringen. Wir fanden schließlich heraus, daß die Sichtscheibe der Röhre aus Verbundglas bestand. Zwischen innerer und äußerer Scheibe befand sich eine unglaublich zähe ca. 1mm starke Plastikfolie. Damit endeten vorerst unsere Monitorversuche. Für die Zukunft besteht noch die Idee, unser bewährtes 5kg-Gewicht aus 2m Höhe in einen 19"-Monitor fallen zu lassen. Dafür werden wir wohl die Sicherheitsstufe nochmals erhöhen müssen... |
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